In der Spitex laufen zwei Anforderungen zusammen, die sich gegenseitig nicht verzeihen: Die Pflegenden brauchen jederzeit funktionierende Geräte — in Wohnungen ohne WLAN, bei Schichtwechseln, unter Zeitdruck. Gleichzeitig verarbeiten diese Geräte besonders schützenswerte Personendaten. Die Wahl der Mobile-Device-Management-Lösung (MDM) entscheidet, ob beides zusammenpasst.
Dieser Ratgeber ist für Spitex-Organisationen gedacht, die zwischen 50 und 800 Geräte betreiben — typischerweise Android-Tablets oder robuste Smartphones mit Pflege-Software, Alarmierung und Zeiterfassung. Er ersetzt keine Evaluation, aber er benennt die Kriterien, an denen sich eine saubere Evaluation entscheidet.
Ausgangslage
In vielen Spitex-Organisationen ist die Geräteverwaltung historisch gewachsen: Einzelne Tablets wurden manuell aufgesetzt, Updates von Hand eingespielt, verlorene Geräte tauchen erst im Monatsrapport auf. Mit wachsender Flotte kippt dieser Zustand. Ein verlorenes Gerät ohne Remote-Wipe ist nicht nur ein operatives, sondern ein datenschutzrechtliches Ereignis.
Gleichzeitig unterscheidet sich die Spitex-Realität stark von klassischem Bürobetrieb: Geräte wechseln zwischen Mitarbeitenden (Schichtgeräte), Apps müssen offline funktionieren, die Alarmierung muss auch bei leerem Akku oder Mobilfunkausfall verlässlich greifen. Ein MDM, das diesen Kontext nicht kennt, produziert zusätzliche Reibung.
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Die gängigen MDM-Systeme können technisch alles. Der Unterschied liegt im Schweizer Betriebsalltag — und in der Frage, wer Sie im 2. Level wirklich unterstützt. Wir empfehlen, die Evaluation an sechs konkreten Kriterien auszurichten:
- Datenhaltung in der Schweiz — das MDM-Backend muss in einem CH-Rechenzentrum betrieben werden, nicht nur die Webapp. Fragen Sie nach dem konkreten Ort der Datenbank.
- DSG/revDSG-Konformität mit Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) — inklusive klar geregelter Löschfristen und Audit-Recht.
- Offline-First-Apps — das MDM darf keine Daueronline-Verbindung erzwingen; Richtlinien-Updates müssen beim nächsten Online-Moment sauber nachziehen.
- Schichtgerät-Modus (Shared-Device) — mehrere Nutzerprofile auf einem Gerät, bei Rückgabe automatische Bereinigung personenbezogener Daten.
- Alarmierungs-App-Whitelisting — die kritische Alarmierung darf durch keine MDM-Richtlinie blockiert oder verzögert werden.
- Zero-Touch-Provisioning mit Android Enterprise oder Samsung Knox — damit ein Ersatzgerät in 15 Minuten einsatzbereit ist, nicht in zwei Tagen.
Vorgehen in vier Schritten
Ein sauberer Auswahlprozess beginnt nicht mit der Produktwahl, sondern mit einer belastbaren Anforderungsliste. Beteiligen Sie die Pflegenden, nicht nur die IT. Die häufigsten späten Überraschungen — etwa eine MDM-Richtlinie, die das Kamera-Scannen eines Wundfotos blockiert — entstehen, weil niemand gefragt hat, was im Stationsalltag wirklich passiert.
Lassen Sie sich von jedem Anbieter ein Pilot-Setup mit fünf echten Geräten stellen und testen Sie zwei Wochen im Echtbetrieb. Bewerten Sie dabei nicht nur die Console, sondern: Wie schnell reagiert der Support, wenn eine Richtlinie in einer realen Station bricht? Was passiert, wenn ein Gerät in einer Patientenwohnung verloren geht?
Erst danach folgen Wirtschaftlichkeitsrechnung und Vertrag. Eine MDM-Lizenz ist selten der grösste Kostenblock — der liegt im Rollout, in der Integration mit Alarmierung und Pflege-Software, und in der laufenden Betreuung.
Was Schaefer beisteuert
Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit Spitex-Organisationen und Pflegeheimen. Unsere Rolle ist nicht, Ihre Flotte zu managen — sondern Sie dabei zu unterstützen, das richtig zu tun:
- Herstellerneutrale Beratung: Wir evaluieren mit Ihnen Samsung Knox, Android Enterprise und Apple Jamf — und empfehlen das, was zu Ihrem Betrieb passt, nicht zu unserer Marge.
- Integration: Wir verbinden das MDM mit Ihrer Alarmierung und Pflegesoftware, sodass Richtlinien und kritische Apps zusammenspielen.
- Staging und Reparatur in Zürich: Geräte werden vorkonfiguriert ausgeliefert; im Schadensfall laufen Reparaturen über unsere Werkstatt — typischerweise 48 Stunden statt drei Wochen.
Das beste MDM ist nicht das mit den meisten Features, sondern das, bei dem die Pflegende morgens nicht merkt, dass es existiert.
Typische Fehler
- Zu wenige Pilotgeräte, zu kurze Pilotphase — vier Wochen sind das Minimum, um Schichtwechsel, Ausfälle und Wochenenddienste abzudecken.
- MDM-Richtlinien nach Büro-Logik: strenge App-Whitelists, die Kamera/Scanner blockieren und Pflegeprozesse bremsen.
- Keine saubere Trennung zwischen Schichtgerät und persönlichem Gerät — mit unklaren Konsequenzen für Datenschutz und Haftung.
- Vertragsabschluss ohne Exit-Szenario: Migrationen zwischen MDM-Systemen sind aufwendig, wenn Profile und Konfigurationen nicht dokumentiert sind.
Im Strategiegespräch ordnen wir Ihre konkrete Lage ein — mit Blick auf Flotte, Alarmierung und bestehende Systeme. Alternativ finden Sie unsere MDM-Lösungsseite mit den technischen Details.